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Die Geschichte unseres Teckelzwingers
Teil 1 - Auf den Hund gekommen - der Anfang: Heli
Eine gute Freundin von
mir bekam im Sommer 1998 einen Welpen. Es war ein Hannoverscher
Schweißhund, den sie als Jägerin entsprechend seiner Veranlagung
ausbilden und führen wollte. Bauschan, so heißt er, ist ein
wunderschöner Hund, und - was mir an den Hannoverschen Schweißhunden
besonders gut gefällt - sie sehen vom Typ her einem Kurzhaarteckel
recht ähnlich. Denn Kurzhaarteckel waren schon immer meine
Lieblingshunde.
Fast
zwei Jahre lang jammerte ich dieser Freundin vor, wie sehr ich sie um
diesen wunderschönen Hund beneiden würde und wie gerne auch ich einen
Hund hätte, das müsste aber ein Kurzhaarteckel sein, und zwar ein
schwarz-roter. Zugegeben, viel Ahnung von Teckeln, überhaupt von Hunden
hatte ich damals nicht, eigentlich hatte ich überhaupt keine Ahnung.
Nun
begab es sich, dass wir uns für den 8. März 2000 abends verabredet
hatten, sie wollte mich zuhause abholen. Und da stand sie in der Tür,
drückte mir ein Halsband und eine Leine in die Hand mit der Bemerkung,
dass ich nun lange genug gejammert hätte und dass ich mich wohl mal auf
die Suche nach meinem Wunschteckel machen sollte. Gleich am nächsten
Tag wurden alle mir bekannten Teckelzüchter in Berlin und Umgebung (ich
habe damals dort gewohnt) angerufen - ich suchte nun mit Fleiß einen Kurzhaarteckel,
und schwarz-rot sollte er sein.
Aber
keiner der Züchter hatte eine schwarz-roten Kurzhaarteckel. Nun ja, man
kann ja nicht erwarten, dass diese beim Züchter im Regal auf Abruf
liegen und auf mich warten. "Vielleicht nächstes Jahr" - "Nein, nur
Rauhhaar" - "Nein, nur Langhaar". Es war nichts zu machen. Aber ich
wollte keinen Rauhhaar und keinen Langhaar, nein, es musste unbedingt
ein Kurzhaar sein.
Und
dann geriet ich beim Abtelefonieren der Teckelzüchter auch an Frau
Weser. Sie ist Landeszuchtwartin des Landesverbandes Brandenburg im
Deutschen Teckelklub und sie soll auch Kurzhaarteckel züchten. Und wenn
sie keine Kurzhaarteckel hat, vielleicht kennt sie jemanden der einen
kennt der gerade einen Wurf hat. Noch hatte ich Hoffnung. Am Telefon
raubte sie mir die Hoffnung, den gewünschten schwarz-roten
Kurzhaarteckel zu finden. Kurzhaarteckel seien recht selten. Die Leute
wollen alle Rauhhaar oder Langhaar, entsprechend reagieren die Züchter.
Aber sie sagte mir, dass sie noch eine Hündin hätte, das wäre aber ein
Kaninchenteckel und außerdem nicht schwarz-rot, sondern ein
schwarztiger.
Ich
hatte keine Ahnung. Kaninchenteckel - nein ich will einen Dackel, kein Kaninchen.
Schwarztiger, was ist das, schwarz-rot soll er sein - Tiger sind was für den Zoo! Steck Dir das
getigerte Kanickel an den Hut, dachte ich, sagte es aber nicht, denn
schließlich ist sie die Landeszuchtwartin und kennt vielleicht doch
noch einen, der einen kennt, der dann wieder einen kennt, der einen
schwarz-roten Teckel abzugeben hat.
Also
fuhr ich noch am Abend so gegen 17 Uhr hin zu ihr - es waren nur so ca.
15 km - in der Hoffnung, dass ihr noch jemand einfallen würde, der
einen kennt, der einen schwarz-roten Teckel abzugeben hat. Und dann war
ich da. Teckel, Teckel, Teckel und dazwischen Frau Weser. So viele
wunderschöne Teckel, aber kein schwarz-roter Kurzhaarteckel, den sie
abzugeben hatte.
Sie
hatte einen schwarz-roten Teckel, einen Kaninchenteckel namens Arpad.
Er war recht klein - was für Kaninchenteckel ziemlich normal ist, wie
ich später lernen sollte, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass sie
ihn mir verkaufen wollte, nein ganz gewiss nicht. Es ging ins
Wohnzimmer und ich wurde examiniert. Warum ich einen Teckel haben will,
warum ausgerechnet einen Teckel, warum nicht einen anderen Hund, Fragen
über Fragen. Sie prüfte mich, ob ich es wert sei, überhaupt einen
Teckel zubekommen. Es waren auch immer Teckel da. Es waren einige
Teckel, drei oder vier, aber da war einer dabei: Ein kleiner Teckel,
ziemlich zutraulich und ziemlich bunt wie ich fand. Und außerdem wunderschön und kuschelig und süß.
Ich
habe den kleinen Teckel gekrault und auf dem Teppich mit ihm gespielt
und wurde dabei examiniert. Wenn es schon keinen schwarz-roten gibt,
dachte ich, wäre dieser auch nicht schlecht, der wäre sogar besser, der
ist ja noch viel schöner und wir verstehen uns jetzt schon so gut. Den
will ich haben, aber den gibt sie doch bestimmt nicht her. So einen
Teckel, den kann man doch nicht verkaufen, dachte ich. Ich traute mich
kaum zu fragen. Und ich hatte Angst, war ich es in ihren Augen wert,
einen Teckel zu bekommen. Wollte Sie mir überhaupt einen Teckel
überlassen? Meine Befürchtungen waren umsonst.
Ja,
sagte sie, das ist die Heli, der schwarztiger-Kaninchenteckel, von dem
sie am Telefon erzählt hatte. Den wollte ich, nur noch diesen Teckel
und sonst keinen.
Vielleicht
kann ich ihn heute schon mitnehmen. Hoffentlich will sie kein Bargeld,
Schecks habe ich dabei, aber nichts Bares. Wieder nachhause fahren ohne
die Heli, vielleicht noch einen Tag warten müssen? - Wie grausam. Nein,
sie war nicht grausam. Sie nahm auch einen Scheck und gegen 22 Uhr,
glücklich bis in alle Haarspitzen und fertig von der harten fünf
Stunden währenden Prüfung fuhr ich nach Hause, Heli dabei.
Glücklich
zuhause angekommen, rief ich Susanne, die Freundin mit dem
Hannoverschen an. Sie machte mir Vorwürfe. Man kann doch nicht den
erstbesten Hund kaufen. Man muss sich doch erst einmal umschauen. Und
so weiter und so weiter. Eigentlich hatte sie grundsätzlich recht. Aber
nur grundsätzlich und nicht in diesem speziellen Fall. Denn Heli - und
das habe ich damals schon gleich gespürt - war wie ein Sechser im
Lotto. Man muss auch nicht erst alle 14 Millionen Kombinationen
durchtippen, bevor man sechs Richtige hat. Es führt zwar auch zum
Ergebnis, ist aber recht langwierig. Heli war auf Anhieb der
Glückstreffer.
Trotz
der späten Stunde - es war mittlerweile gegen 23 Uhr - kam Susanne noch
von Neugier gepeinigt und voller Vorwürfe gegen mich im Gepäck vorbei.
Aber dann hat sie Heli gesehen. Und auch sie ist, wie jeder, der Heli
einmal kennen gelernt hat, sofort dem unwiderstehlichen Charme dieses
süßen kleinen Kaninchenteckels verfallen.
Und
gleich am ersten Tag begann Heli den Kampf um die Führung in unserem
kleinen Zweierrudel. Ich habe mich durchgesetzt. Meistens jedenfalls.
Und wenn nicht, dann nicht weil ich mich nicht durchsetzen konnte,
sondern weil ich von Heli überzeugt wurde.
Wenn
wir z.B. bei unserer abendlichen Gassirunde noch kurz in der
Nachbarschaft in der Wirtschaft vorbeigeschaut haben, dann saß ich auf
einem Hocker an der Theke und Heli lag unten auf meiner Jacke.
Zumindest die ersten fünf Minuten. Dann hatte ich sie oben auf dem Arm,
wo sie eingekuschelt in meiner Armbeuge vor sich hindöste und
zwischendurch immer wieder aufmerksam ihren Blick durch die Gaststube
kreisen ließ. Unten konnte sie schließlich nichts sehen.
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